VCO VICTORY LANE INTERVIEW: DIE SIEGER DES iRACING 24H SPA-FRANCORCHAMPS IM GESPRÄCH

  • Josh Rogers, Jeremy Bouteloup, Joni Takanen und Mack Bakkum vom Team VRS Coanda Simsport nach ihrem Spa-Triumph im Interview.
  • Rogers: „Beim Benzinsparen versuchen wir immer das Maximum.“
  • Bouteloup: „Mit dem Kopf ist man ständig beim Rennen.

München – Dank einer taktischen und fahrerischen Meisterleistung sicherten sich Joshua Rogers, Jeremy Bouteloup, Joni Takanen und Mack Bakkum am vergangenen Wochenende den Sieg beim iRacing 24h Spa-Francorchamps powered by VCO, dem dritten Teil des VCO „Grand Slam“ auf iRacing. Nur einen Tag nach dem Triumph war das Quartett vom Team VRS Coanda Simsport zu Gast im VCO Esports Studio. Im Gespräch mit Ben Constanduros gaben die vier Fahrer einen detaillierten Einblick in ihre Vorbereitungen auf das Rennen, ihre Strategie und die Feierlichkeiten nach dem Triumph. Außerdem verrieten sie, wieso sie sich beim virtuellen Ardennen-Marathon für den McLaren MP4-12C GT3 entschieden hatten.

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Ben Constanduros: Mack, wie viel Vorbereitung steckt hinter dem Gewinn eines solchen 24-Stunden-Rennens?

Mack Bakkum: Das hängt vom Event ab. Ich denke, dieses Mal hatten wir ein bisschen weniger Zeit als zuvor, da viele von uns auch im Porsche Esports Supercup auf iRacing fahren. Normalerweise würden wir uns wohl in den zwei Wochen zuvor darauf vorbereiten, jetzt haben wir ungefähr fünf bis sechs Tage davor angefangen und dann zwei bis drei Stunden am Tag geübt. Es geht nicht nur darum zu fahren. Es steckt noch viel mehr dahinter, beispielsweise am Auto unterschiedliche Strategien zu testen oder herauszufinden, wie sich die Reifen verhalten. Insgesamt würde ich sagen, dass es wahrscheinlich rund 15 Stunden pro Person waren.

Constanduros: Joni, wie darf man sich den Prozess vom Beginn der Vorbereitung an vorstellen? Was sind die ersten Schritte?

Joni Takanen: Im Grunde erstellen wir eine Basis für das Set-up und sehen, wie es sich entwickelt. Es geht darum, ein gutes Gefühl zu bekommen, wie sich das Auto verhält.

Constanduros: Bei einem GT3-Rennen hat man viele unterschiedliche Fahrzeuge zur Auswahl. Wie wählt man das Auto aus?

Takanen: Wir orientieren uns an der Balance of Performance, die ungefähr eine Woche vor dem Rennen bekanntgegeben wird. Wir können vorher Tests absolvieren, aber sobald wir die BoP erhalten haben, können wir sie bei den unterschiedlichen Fahrzeugen testen und sehen, welches am besten zu unserem Fahrstil passt.

Constanduros: Jeremy, ihr habt euch für den McLaren entschieden. Es gab nur vier McLaren im gesamten Top-Split. War das eine einstimmige Entscheidung?

Jeremy Bouteloup: Am Ende war es wohl einstimmig, wobei wir noch ein paar Tage zuvor Zweifel hatten. Parallel zum Rennen am Samstag gab es in Spa-Francorchamps ein Rennen der VRS GT Sprint Series. Das hat uns ein paar gute Einblicke ermöglicht. Wir haben dort viele BMW-Fahrzeuge gesehen und waren nicht ganz sicher, ob der McLaren das richtige Auto sein würde. Ich bin dann zu Beginn der Woche in einem McLaren ein Rennen gefahren, das sehr gut gelaufen ist und das ich genutzt habe, um eine Datenbasis vorzubereiten. Von da an dachte ich, dass der McLaren eine gute Wahl sein würde. Am Ende kann man sich aber nie sicher sein. Dadurch, dass wir auch nicht so viel Zeit hatten, hat man auch nicht die Möglichkeit, alle Details kennenzulernen und kann Dinge übersehen. Aber am Ende hat es sich natürlich ausgezahlt.

Constanduros: Josh, was war der Grund für die Wahl des McLaren? War es vor allem die Effizienz beim Benzin mit Blick auf die Strategie?

Joshua Rogers: Ja, ich denke, das war wahrscheinlich der wichtigste Aspekt. Normalerweise versuchen wir bei Langstreckenrennen immer, uns in Sachen Strategie an das Limit heranzutasten. Beim Benzinsparen versuchen wir immer das Maximum. Nicht jedes Team verfolgt diesen Ansatz. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Pace auf die lange Distanz. Die war sehr stark. Zu Beginn der Stints waren uns der Ferrari und der Audi überlegen, aber dafür war unser Auto ab der Mitte der Stints immer schneller. Hier konnten die anderen Jungs nicht wirklich mithalten. Ein weiterer Aspekt war auch der Top-Speed des Autos. Das hat uns unter anderem auch im Hinblick auf Überrundungen geholfen. Ich persönlich war vor dem Rennen ein wenig skeptisch, einen McLaren zu fahren, habe mich dann aber an ihn gewöhnt.

Constanduros: Es war sicherlich auch wichtig für euch, auf Pole zu fahren, um in den ersten Runden saubere Luft zu haben, oder?

Rogers: Ja, das hat definitiv geholfen. Bei einem 24-Stunden-Rennen ist die Pole-Position insofern immer wichtig, um zu Beginn vorne zu sein und keine Zeit zu verlieren. Es ist wichtig, Benzin zu sparen und das Rennen gut zu starten. Ich denke, alle anderen haben ebenfalls diesen Ansatz verfolgt. Leider konnte ich zu Beginn keine große Lücke aufreißen. Aber das Wichtigste war, dass wir uns im ersten Stint aus Schwierigkeiten heraushalten konnte. Dafür war die Pole definitiv hilfreich.

Constanduros: Mack, glaubst du, es war unerlässlich, ein Auto mit diesem Strategievorteil und diesem Kraftstoffvorteil zu haben? Denn letztendlich wart ihr auch ohne diesen Vorteil unglaublich schnell.

Bakkum: Ich denke, alle Autos waren im Hinblick auf die Leistung und Rundenzeiten gut unterwegs. Aber ich versuche immer, etwas in der Hinterhand zu haben, das ein anderes Fahrzeug nicht kann. Eine zusätzliche Runde pro Stint konnte kein anderes Fahrzeug ermöglichen, ohne große Mengen an Kraftstoff zu sparen. Für mich ist das immer das Wichtigste bei einem Langstreckenrennen. Es hat schon so viele Rennen gegeben, die wir gewonnen haben, weil wir ausreichend Benzin gespart haben und andere Teams eben nicht. Vielleicht haben wir dadurch am Start etwas Pace eingebüßt aber auf das gesamte Rennen betrachtet, hat sich das auf jeden Fall bezahlt gemacht.

Constanduros: Nachdem ihr euch für den McLaren entschieden habt. Was waren die nächsten Schritte, um das Fahrzeug etwas fahrbarer zu machen?

Takanen: Wir haben begonnen, Dinge auszuprobieren, um das Fahrzeug sehr stark zum Untersteuern zu bringen. Daran haben wir im Anschluss gearbeitet und Elemente hinzugefügt, um es beständig über einen oder zwei Stints hinweg am Limit bewegen zu können.

Constanduros: Ich habe es nicht live gesehen, aber irgendwann mitten in der Nacht hatte jemand einen halben Dreher, oder?

Takanen: Das war ich. Ich habe ein Mal die Kontrolle verloren, ebenso wie Mack.

Constanduros: Wie ist das passiert?

Takanen: Das war in einer Runde, in der ich im Verkehr steckte. Zum Glück habe ich niemanden getroffen und konnte weiterfahren. Insgesamt hat uns das wohl zehn Sekunden gekostet.

Constanduros: Mack, was ist deine Entschuldigung?

Bakkum: Ich habe keine Entschuldigung. Ich habe einfach einen kleinen Fehler gemacht. Ich könnte es damit entschuldigen, dass ich wirklich müde war, aber ich denke das ging allen so und niemandem sonst ist das passiert. Es war ein kurzer Moment, in dem ich nicht ausreichend konzentriert war. Dann reicht eine kleine Berührung mit dem Randstein und man dreht sich sofort. Zum Glück hat es uns nicht allzu viel gekostet.

Constanduros: Jeremy, wenn ihr euch für das Fahrzeug entschieden habt und das richtige Setup festgelegt habt. Wie entscheidet ihr, wer wann fährt?

Bouteloup: Das ist eine Frage der Ausgewogenheit. Zunächst muss man die Verfügbarkeit für alle prüfen, da möglicherweise jemand während einer bestimmten Zeit nicht fahren kann oder danach zu einer bestimmten Zeit fahren muss. Das ist immer der erste Schritt. Wenn wir das wissen, stellen wir sicher, dass die Fahrer vor allem in der Nacht ausreichend Ruhe bekommen. Dass beispielsweise jemand die erste Hälfte der Nacht fährt und sich danach ausruhen kann und ein anderes Duo den zweiten Teil der Nacht übernimmt. Es geht darum, die richtige Balance zwischen Fahrzeit und Ruhezeit für jeden zu gewährleisten. Wir wollen unsere Leistung maximieren. Das gelingt am besten, wenn alle Fahrer so ausgeruht wir möglich sind.

Constanduros: Josh, beeinträchtigt es deine Leistung, wenn du zu viele Stints absolvieren musst?

Rogers: Um ehrlich zu sein nicht. Daran habe ich mich in den vergangenen Jahren gewöhnt. Sobald man beginnt zu fahren, setzt das Adrenalin ein und du vergisst die Tatsache, dass du müde bist. Die Herausforderung ist, vor den Stints wach zu bleiben, wobei man auch dadurch fokussiert bleibt, wenn man zusieht.

Constanduros: Mack, habt ihr immer einen zweiten Fahrer als Ersatz in der Hinterhand?

Bakkum: Ja, das haben wir immer. Wir erstellen also im Grunde genommen einen Plan, bei dem jeder einen bestimmten Stint fährt, und dann planen wir auch jeweils einen Back-up ein. Es gibt also immer jemanden, der einspringen kann, wenn das Netzwerk abstürzt oder andere Fehler auftreten. Generell ist es gut, jemanden neben sich zu haben, der dich wach hält, denn um 4 Uhr morgens kann es schon ziemlich anstrengend sein. Als ich zum Beispiel Josh neben mir hatte, hat mir das wirklich geholfen, wach zu bleiben.

Constanduros: Sprecht ihr miteinander, während ihr am Steuer sitzt?

Bakkum: Das hängt vom Fahrer ab. Jeremy beispielsweise schaltet sich immer auf stumm, um sich voll und ganz auf das Rennen zu konzentrieren. Ich bin da ein wenig anders – speziell in der Nacht. Ich glaube, ich habe fast in jeder Runde mit Josh gesprochen, besonders auf der Geraden rede ich gerne, um mich etwas abzulenken.

Constanduros: Jeremy, warum willst du nicht mit jemandem sprechen? Liegt es daran, dass Englisch nicht deine Muttersprache ist und du dich sonst mehr auf das Sprechen konzentrieren müsstest?

Bouteloup: Möglicherweise. Wobei ich denke, selbst wenn es auf Französisch wäre, würde ich es genauso handhaben. Es bringt mich einfach aus meinem Fokus, wenn ich anfange zu viel zu reden. Ich fühle ich mich am konzentriertesten und effizientesten, wenn ich für mich alleine bin. Deshalb war ich während meiner gesamten Stints meist stummgeschaltet, außer wenn ich über das Benzin gesprochen habe, aber das waren jeweils nur 20 Sekunden.

Constanduros: Jeremy, gehst du manchmal vom Bildschirm weg um dich zu erholen?

Bouteloup: Ja, ab und zu. Irgendwann wird es anstrengend im Sim Rig zu sitzen. Ich habe aber lediglich Pausen von maximal 15 Minuten gemacht und selbst dann habe ich noch versucht, das Geschehen zu verfolgen. Es ist also mehr aus einem physischen Grund, dass man mal aus dem Sim Rig steigt, mit dem Kopf ist man ständig beim Rennen.

Constanduros: Wie waren die Feierlichkeiten im Coanda-Hauptquartier dann nach dem Rennen? Gab es eine Party oder seid ihr einfach nur schlafen gegangen?

Rogers: Es war relativ locker. Wir haben gegrillt und sind ein bisschen runtergekommen. Am Ende wollte ich dann nur noch schlafen. Ich habe mich in der Nacht nicht allzu viel ausgeruht.

Constanduros: Die Saison ist noch lang und es gibt noch viele Rennen, wie beispielsweise das iRacing Petit Le Mans powered by VCO, aber auch einige andere Langstreckenrennen und den TAG Heuer Porsche Esports Supercup. Warst du am nächsten Tag mit dem Kopf schon wieder beim nächsten Projekt, Josh?

Rogers: Kann man so sagen. So gerne man manchmal einen Ruhetag hätte, bleibt oft nicht die Zeit dafür und man muss so schnell wie möglich wieder an die Arbeit. Der Kalender ist aktuell sehr voll, da darf man keine Zeit verlieren. Ich denke, wir werden auch beim iRacing Petit Le Mans teilnehmen, wenn es der Kalender zulässt. Ich bin dort noch nie an den Start gegangen, entsprechend wäre es natürlich schön, dort zu fahren. Ich bin sicher, es wäre eine gute Erfahrung mit den GTE-Fahrzeugen gegen die Prototypen.

Constanduros: Mack, bevorzugst du ein Mehrklassen-Rennen im Vergleich zu einem Rennen wie dem iRacing 24h Spa-Francorchamps, bei dem nur eine Fahrzeugklasse an den Start geht?

Bakkum: Ich bevorzuge Rennen mit mehreren Klassen, speziell wenn man in der schnellsten Kategorie fährt. Es ist ein wirklich tolles Element für mich während der Rennen, andere Fahrzeuge auf der Strecke zu haben.

Constanduros: Jeremy, was bevorzugst du?

Bouteloup: Ich bin nicht sicher. Ich mag Spa-Francorchamps wirklich, weil es ein Langstreckenrennen ist und man nicht zu viel im Verkehr feststeckt. Ich denke, es macht die Sache einfacher, aber gleichzeitig, wie Mack schon gesagt hat, ist es eine sehr gute Erfahrung, wenn man Rennen mit mehreren Klassen fährt und in der schnellsten Klasse ist. Besonders wenn man mit Prototypen fährt, die viel schneller sind als die GT-Fahrzeuge.

Der VCO iRacing „Grand Slam“ 2020
25./26. April, iRacing 24h Nürburgring powered by VCO
20./21. Juni, iRacing 24h Le Mans powered by VCO
11./12. Juli, iRacing 24h Spa-Francorchamps powered by VCO
3./4. Oktober, iRacing Petit Le Mans powered by VCO

Über die VCO

Die Virtual Competition Organisation (VCO) bringt verschiedene Stakeholder im Esports zusammen: von der Simulations- oder Gaming-Plattform über interessierte Partner bis hin zu den aktiven Teams und Fahrern sowie der Community. In einem schnell wachsenden Segment steht die VCO für Professionalität, Fokussierung und breite mediale Präsenz. Mit ihrem internationalen Netzwerk bietet die VCO zudem Lösungen für die bestmögliche Konzeption und Umsetzung von Esports-Projekten aller Art.

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